Frühlingsfest

Hallo Ihr Lieben,

den ganzen Februar über hatte ich Ferien beziehungsweise Urlaub, da hier in China das Frühlingsfest beziehungsweise Chinesische Neujahr anstand. Von der Wichtigkeit ist es mit Weihnachten bei uns Deutschland gleichzusetzen. Zum Frühlingsfest kehren alle Chinesen für gewöhnlich in ihre Heimatdörfer zu ihren Eltern oder Großeltern zurück, weshalb in den Tagen und Wochen vorm Frühlingsfest eine große Völkerwanderung von Ost nach West stattfindet, wenn die Millionen von Wanderarbeitern für einige Wochen nach Hause kehren. Obwohl Lanping für chinesische Verhältnisse sicher nicht mehr als ein kleines Dorf ist, leerte es sich als größte „Stadt“ der Umgebung rasend schnell nachdem für die Schüler die Ferien begannen. Je näher das Frühlingsfest rückte, desto menschenleerer waren die Straßen und immer weniger Geschäfte und Restaurants hatten überhaupt noch geöffnet. Man kann sagen, dass das Überleben ohne Vorräte sich als ziemlich schwierig gestaltet hätte. Zum Glück verbrachte ich die Zeit nicht in Lanping selbst! So wurde ich von der Familie Yang und meinem Freund Mike zum Frühlingsfest zu ihnen nach Hause eingeladen, was auch meiner Vorstellung von meinem Frühlingsfest in China perfekt entsprach. Alleine in einer traditionellen chinesischen Familie weit entfernt von jeglicher Großstadt. Perfekt!  Mike’s Elternhaus liegt in Hexi, was etwa 90Minuten Autofahrt von Lanping entfernt liegt. Die Straße dorthin war in einem Zustand als wäre sie zu Maozedong’s Lebzeiten gebaut worden. Tatsächlich aber war sie nicht einmal zehn Jahre alt. Das Elternhaus selbst befindet sich mit ein paar wenigen weiteren Häusern zwischen Feldern und Wäldern auf einem Berghang. In jedem Raum fließend Strom und Wasser, Fehlanzeige! Strom nur in ein paar Räumen und fließend Wasser gab es überhaupt nicht im Haus. Ja, auch in der Toilette nicht! Das empfand ich aber durchweg positiv!

Das Frühlingsfest fiel dieses Jahr auf den 19.Febraur, wird aber für gewöhnlich über mehrere Tage mit der engsten Verwandtschaft gefeiert. Dabei hat jede Familie genauso wie in Deutschland ihre eigene Tradition. Am Vorabend, sprich am 18.Februar, wurde gemeinsam sehr gut und ausgiebig gegessen, bevor man abends die große Neujahrsfernsehsendung gemeinsam schaute. Im Gegensatz zu großen Teilen Chinas gab es rein gar kein Feuerwerk. Eigentlich sehr untypisch, da Chinesen für fast alle möglichen besonderen Ereignisse, wie Hochzeiten, Geschäftseröffnungen oder einfach nur so, Feuerwerk zünden und davon nicht zu wenig. Am 19.Febraur stand eigentlich eine Wanderung zu einem Bergtempel an, welche aber wegen zu schlechten Wetters abgesagt wurde. Stattdessen ging es dann ins Nachbardorf gemeinsam Basketball spielen. Fand ich besonders passend, da man die ganze restliche Zeit irgendwie Nichts tat. Daher kam mir ein Minimum an sportlicher Aktivität gerade gelegen! Ansonsten aß ich sehr viel, da ich stets irgendwas irgendwie in die Hände gedrückt bekommen habe, saß mit Mike und oder anderen Familienmitgliedern ums Feuer und unterhielt mich so gut es ging mit ihnen auf Chinesisch, was sich als schwierig erwies. Gründe dafür waren, dass es hierbei um die Pumi-Minderheit, einer der 56 ethnischen Gruppen in China, handelt, die ihre eigene Sprache haben und der chinesische Dialekt in der Gegend für mich schwer zu verstehen ist. Trotz dessen hat es im Endeffekt doch irgendwie ganz zufriedenstellend funktioniert mit der Verständigung! Am darauffolgenden Tag war irgendwie ein Ruhetag, den ich nutze durch die wunderschöne Landschaft zu wandern und im Gras ein wenig zu dösen, was etwa eine Pause vom Nichts tun gleichkommt. Der nächste Tag war dann den Ahnen gewidmet. Man wanderte, ausgestattet mit Bier, Fleisch, Räucherstäbchen, Wasser und Kartenspielen, zum Friedhof. Dort streuten wir erst einmal Tannennadeln über vor die Gräber, anschließend wurde auf jedes Grab noch etwas zu Essen gelegt und bisschen Hochprozentiges über das Grab geschüttet. Außerdem verbeugte man sich vor jedem Grab bevor man noch seine Räucherstäbchen dazu stellte. Das ganze dauerte insgesamt vielleicht eine halbe Stunde. Anschließend wurde bei den Gräbern Musik gehört, Karten gespielt, natürlich viel gegessen und die älteren Herren tranken auch ihr Bier. Als Ausländer doch ziemlich bizarr und seltsam, wenn man daran denkt, wie es auf westlichen Friedhöfen zugeht. Einfach das komplette Gegenteil! Das waren auch schon meine Tage bei der Familie Yang. Die restliche Zeit verbrachte ich, wie bereits gesagt, mit Essen, rumhängen oder Fernseher schauen. Da ich so viel Nichts tat, war jeder Tag gefühlt eine Woche lang - ob mir langweilig war? Nein, überhaupt nicht! Gerade, weil ich mal komplett nichts zu tun hatte, genoss ich jeden Tag und die Zeit in Hexi besonders! So eine Pause vom sonst so schnellen Leben kann ich  einfach nur jedem weiterempfehlen! Vor meiner Abreise wurde ich eingeladen nochmal vorbeizukommen und ich freue mich bereits jetzt auf das Wiedersehen mit der Familie Yang, der ich an dieser Stelle vielmals für die Einladung danken möchte!

Apropos Zeit. Ich bin nun bereits ein halbes Jahr hier in Lanping, was heißt, dass ich voraussichtlich in weniger als sechs Monaten wieder daheim in Butzbach sein werde. Wie schnell doch die Zeit vergeht!

 

Pascal

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